Rechtliche Berufe in der EU

Die Studie für den Rechtsausschuss des Europäischen Parlamentes (JURI) verfolgte folgende Ziele

 

  • ein Bild über die Situation in verschiedenen rechtlichen Berufen in allen 28 Mitgliedstaaten zu vermitteln
  • Gründe für die Unterrepräsentation von Frauen oder Männern in manchen rechtlichen Berufen zu ermitteln und zu untersuchen.

 

Die Methode stützte sich dabei auf drei Säulen: Literaturanalyse, Konsultationen mit Interessensgruppen und sekundäre Datenerhebung aus bestehenden nationalen und europäischen statistischen Quellen.

 

Trotz eines kontinuierlichen Trends zu einer größeren Geschlechterbalance in Rechtsberufen weisen die Daten v.a. auf ein noch immer bestehendes geschlechtliches Ungleichgewicht in den Top-Positionen sowie horizontale Segregation hin (so ist z.B. unterstützendes Personal im Rechtsbereich in der Regel vorrangig weiblich dominiert). Obwohl es teils erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen rechtlichen Systemen, Ländern, Rechtsberufen und Hierarchieebenen gibt, trifft dies für alle EU-Mitgliedstaaten zu.

 

Ein Beispiel hierfür ist etwa der RichterInnen-Beruf. Gesamteuropäisch betrachtet herrscht hier ein Geschlechtergleichgewicht bzw. sogar ein leichter Überhang an Frauen. Dies gilt aber nur für die unteren Hierarchie-Ebenen. In Staaten des angelsächsischen Rechtskreises hingegen ist wiederum der gesamte Richterberuf zu über 60% männlich dominiert.

 

Die Erkenntnisse der Studie erfordern demnach einen beträchtlichen Handlungsbedarf um die Hauptbarrieren für die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern in Rechtsberufen zu beseitigen. Diese umfassen insbesondere:

 

  • das Fortbestehen von Geschlechtsstereotypen, inklusive eines geschlechtsbezogenen Verzerrungseffektes („gender bias“) bezüglich Recruitment und Beförderung. So wird z.B. Männern generell mehr Kompetenz zugesprochen und v.a. Mutterschaft mit einem Fehlen an Engagement für den Beruf gleichgesetzt. Die „gläserne Decke“ und eine vor allem auf Männer abgestimmte Unternehmenskultur verhindern dabei, dass Frauen in Top-Positionen aufsteigen.


  • Schwierigkeiten, Beruf und Familienleben unter einen Hut zu bringen („work-life-balance“). Dies wird besonders verstärkt von der Tatsache, dass in vielen rechtlichen Berufen Überstunden und lange Arbeitszeiten als Zeichen für Einsatz und Hingabe und geradezu als eine Notwendigkeit für den beruflichen Aufstieg angesehen werden.


  • ein Fehlen an Transparenz in den Prozessen zur Einstellung und Beförderung.


  • ein Mangel an effektivem Mentoring und unterstützenden Netzwerken für Frauen.


  • eine fehlende Sichtbarkeit von weiblichen Vorbildern in rechtlichen Top-Positionen.

 

Empfehlungen der Studie umfassen u.a.:

 

  • den Austausch von „Good Practices“ zwischen den Mitgliedstaaten um das Ungleichgewicht in rechtlichen Berufen zu bekämpfen
  • die Förderung der Entwicklung von entsprechenden Aktionsplänen in den Mitgliedstaaten
  • und die Festsetzung von Zielvorgaben und auch Quoten wenn nötig.

 

Zudem ist mehr systematische Erforschung der Situation von Frauen und Männern in rechtlichen Berufen nötig, sowie eine bessere Erhebung und Sammlung von auf europäischer Ebene vergleichbarer Daten.

 

Im Bereich der rechtlichen Ausbildung wäre die Einführung eines geschlechtsspezifischen Ansatzes als Querschnittsthema wünschenswert.  

 

Die Studie wurde von Dezember 2016 bis Juni 2017 in Zusammenarbeit mit der Queen’s University Belfast erstellt.

 

 

» "Mapping the Representation of Women&Men in Legal Professions across the EU"